DER FILM


Drei Jahre lang saß Karl Escher (Éric Caravaca) im Gefängnis. Unschuldig. Um seinen Vater (Maximilian Schell), einen einflussreichen Bankier, zu schützen, hatte er die Vorwürfe der Urkundenfälschung und Unterschlagung von großen Geldsummen auf sich genommen. Doch Karl ist sich sicher, dass sein Bruder Franz (Robinson Stévenin) hinter den illegalen Machenschaften steckt. Das Vertrauen innerhalb der Familie ist erschüttert. Einzig auf seine Schwester Amalia (Isild Le Besco) kann Karl sich noch verlassen und weiht sie in seine Verdächtigungen ein. Karl befürchtet, dass künftig die Geldwäsche in einem noch größeren Stil betrieben werden soll. Er sinnt auf Rache. Karl will seinen Bruder zur Strecke bringen und seinen eigenen Namen wieder rein waschen. Um seinen Verdacht zu belegen, schließt sich Karl einem Gangsterboss (Tchéky Karyo) an. Seine Gang ist hinter dem Schwarzgeld her, Karl braucht lediglich die geheimen Dokumente, die seine Unschuld beweisen. Doch als sein Bruder Franz von der Sache Wind bekommt und ihn an die Polizei verrät, ist plötzlich die ganze Familie in Gefahr – es kann keine unschuldigen Gewinner geben.


DIE RÄUBER – Ein Klassiker neu interpretiert


Im besten Sinne aufklärerisch ist nun mehr als 230 Jahre nach der Uraufführung auch die Adaption von Frank Hoffmann und Pol Chruchten, die das Standardwerk als modernen Film Noir sehr frei interpretiert. Die ins Bankenzentrum Luxemburg verlagerte Handlung wurde in die Gegenwart geholt und dem Stoff damit eine ganz aktuelle Relevanz verliehen. Auch hier ist Karl ein idealistischer Rebell, der zum Verbrecher wird, als er sich vom Vater zu Unrecht verstoßen fühlt. Dabei muss er aber auch die Skrupellosigkeit seiner neuen Freunde erkennen, die nur um das eigene Wohl besorgt sind und auch vor Verrat nicht zurückschrecken. In Schillers Drama war Amalia Karls Verlobte, der Franz Avancen macht. In der Filmversion ist sie nun die Schwester der beiden Brüder, was den familiären Konflikt und die strukturellen Parallelen zwischen den Bankiersdynastien sowie der Räuberbande noch verstärkt. Anders als in Schillers Vorlage, liefert sich Karl am Ende aber nicht selbstlos der Justiz aus, sondern macht sich seinerseits schuldig. Die eigentliche Tragik in diesem illusionslosen Film Noir: aus den Klauen des Finanzkapitalismus gibt es kein Entkommen, da ist selbst die Justiz machtlos. Und niemand bleibt ohne Schuld.


INTERVIEW MIT DEN REGISSEUREN FRANK HOFFMANN & POL CRUCHTEN


Wie ist die Idee zu DIE RÄUBER entstanden? HOFFMANN: Schiller ist ein Autor, den ich schon seit meiner Jugend sehr schätze und die Idee, „Die Räuber“ fürs Kino zu adaptieren, beschäftigt mich schon seit einigen Jahren. Inzwischen habe ich das Stück bereits im Theater inszeniert. Also ergriff ich die Chance, als sich das Projekt auftat, einen Film mit Pol Cruchten machen zu können. Ich war überzeugt, dass man Schillers Figuren in die Gegenwart übertragen kann. Dazu war es notwendig, das Stück völlig neu zu erfinden, damit es ins 21. Jahrhundert passt. Und genau das haben wir getan. Wenn der Zuschauer erwartet, den ursprünglichen Text präsentiert zu bekommen, wird er sicher enttäuscht sein!

Was hat Sie an diesem Stück von Friedrich Schiller besonders interessiert? CRUCHTEN: Die Adaption von „Die Räuber“ war ursprünglich Frank Hoffmanns Projekt. Als er zu mir kam, damit ich es produziere, fand ich die Idee großartig. Ich sah sofort eine Verbindung zum Thriller, einem Genre, mit dem ich mich schon immer auseinandersetzen wollte. In Schillers Text stecken bereits alle Zutaten eines Film Noir: das Sujet, die Themen Familie, Geld, usw. Da blieb nur noch, den Stoff konsequent in die Gegenwart zu übertragen.

Warum ist die Geschichte nun in der Finanzwelt angesiedelt? HOFFMANN: Der Film bezieht sich auf zwei ganz bestimmte Arten „Räuber“ unserer Zeit: die klassischen Diebe einerseits und die Politiker andererseits. Auch wenn die Zweiteren vielleicht oberflächlich als die Besseren aussehen, sind sie es keinesfalls. Politiker berauben genauso, tun Frauen Gewalt an und führen ein zutiefst amoralisches Dasein. Ich wollte eine Familiengeschichte erzählen. Wir sind in Europa, in Luxemburg. Und tatsächlich schien die Finanzwelt durchaus angemessen, um die Figur des „Tyrannen“ zu behandeln, um die es bei Schiller geht.


CAST


Karl Éric Caravaca Amalia Isild Le Besco Franz Robinson Stévenin Bankier Escher Maximilian Schell Der Alte Tchéky Karyo Henry Wolfram Koch Herman Luc Schiltz Luis Marc Baum Serge Serge Wolf Ivan Mickey Hardt Monsieur Field Georg Marin Madame Field Anne Moll Tochter der Fields Anouk Wagener Die Frau Laurence Côte Das Kind Lucas Salhani
M. Fields Anwalt Jean Doerner Sopranistin Julie Cherrier Harfenistin Marion Desjacques Huguel



CREW


Regie Frank Hoffmann Pol Cruchten Kamera Jerzy Palacz Buch Érick Malabry Frank Hoffmann Schnitt Sophie Vercruysse Musik Michael Rother Kostüm Isabelle Dickes Ko-Produktion RED LION (Jeanne Geiben) COIN FILMS (Herbert Schwering, Christine Kiauk) NOVAK PROD (Olivier Dubois) mit ZDF / ARTE Förderung Film Fund Luxembourg Film- und Medienstiftung NRW Tax Shelter Belgien DFFF